Carnitin wird als Supplement angeboten und soll die Leistungsfähigkeit des Athleten steigern. Funktioniert das eigentlich?

Die Antwort ist ein klares: ja und nein. Für Leistungssportler macht Carnitin Sinn, aber für uns “normal Sterbliche” – dazu sind in diesem Zusammenhang auch 95% aller Bodybuilder zu zählen! – bringt es nichts.

Carnitin ist ein Eiweiß, das besonders in Fleisch vorkommt. Es hilft bei der Versorgung der Zellen, indem es Bausteine, die die Zelle braucht, aus dem Blut in die Zelle hinein befördert. Es ist also eine Art Spediteur.

Wenn die Muskelzellen sehr stark – normales Training zählt nicht dazu – arbeiten müssen, und das auch noch sehr häufig, wird Carnitin verbraucht. Der Körper kann nicht so viel davon produzieren wie gebraucht wird. Weil dann die Versorgung der Zellen nicht mehr reibungslos klappt sinkt zwangsläufig auch die Leistungsfähigkeit des Athleten. Durch die Zufuhr von Außen (als Supplement) kann der Körper wieder “richtig” versorgt werden.

Wer also nicht so viel trainiert, dass er die Carnitin-Versorgung des Körpers gefährdet – und das sind wirklich nur die Allerwenigsten – wird genug Carnitin mit der täglichen Nahrung, nämlich mit Fleisch und Wurst, zu sich nehmen. Womit wir sofort auch die Ausnahme kennen: Vegetarier, die den Kraftsport ernst nehmen, können Carnitin zur Steigerung der Ausdauer sinnvoll supplementieren. Es kommt eben ganz besonders in Muskelfleisch vor.

Übrigens: von Carnitin gibt es verschiedene Varianten im Körper, die chemisch gleich aufgebaut sind, sich aber physikalisch unterscheiden. Sie können dadurch unterschieden werden, dass sie eine bestimmte Lichtsorte, “polarisiertes” Licht, nach links oder rechts ablenken. Der Buchstabe L- deutet an, dass diese Variante diese Lichtsorte nach links ablenkt – es ist “linksdrehend”. Carnitin ist nur dann als Supplement wirksam, wenn es sich um die L-Variante handelt.