Stretching – warum eigentlich?
In jedem Studio hängen sie, die Tafeln mit ausgewählten Stretchings. Und niemand kümmert sich um sie. Wer von uns nimmt Stretchings ernsthaft in seinen Trainingsplan auf?
Die Profis! Denn ohne ausreichendes Stretching können wir unsere Muskeln nicht bis an die Belastungsgrenze fordern. Das hat anatomische Gründe, die hier kurz erläutert werden sollen.
Die Muskeln ziehen an den Knochen, damit sie sich in ihren Gelenken bewegen. Das geschieht nicht direkt, sondern mit “Seilen”, den Sehnen, die im Muskel und am Knochen angewachsen sind. Diese Seile können reissen oder vom Knochen abreißen, wenn sie unvorbereitet stark belastet werden (zum Beispiel wenn keine Aufwärmphase vor dem Training lag). Um die Sehnen vor solchen Unfällen zu schützen hat der Körper in die Sehnen Belastungsmesser (Rezeptoren) eingebaut. Sobald einer von ihnen meldet, dass eine Belastungsgrenze erreicht wurde, bekommt der betreffende Muskel den Befehl: “Du ziehst Dich UNTER KEINEN UMSTÄNDEN stärker zusammen!”
Dieser Schutzmechanismus ist natürlich sehr sinnvoll, denn er verhindert Schäden an den Sehnen und Muskeln. Aber im Kraftsport verhindert er, dass intensives Training und starkes Muskelwachstum gleichzeitig statt finden. Denn wenn der Muskel wächst wird zugleich seine Sehne immer stärker vorgespannt, weil der Weg zum Ansatz der Sehne am Muskel immer weiter wird. Dieser Ansatz rückt nämlich immer weiter vom Knochen weg, wenn der Muskel wächst. Durch die stärkere Vorspannung werden die Rezeptoren aber schneller Alarm schlagen und dadurch ein intensiveres Training verhindern.
Einen Ausweg aus diesem Dilema bietet das Stretching. Durch regelmäßiges Dehnen der Muskeln wird die Spannung, die im Muskel automatisch vorhanden ist, herabgesetzt. Der Muskel kann dadurch länger werden. Das verringert die Vorspannung der Sehnen. So wird ein wesentlich intensiveres Training möglich.
Durch die geringere Grundspannung des Muskels wird zugleich die Nährstoffversorgung verbessert und der Abtransport von Stoffwechselgiften beschleunigt. Diese Aufgaben übernimmt nämlich die Blutflüssigkeit (Lymphe), die die Zwischenräume zwischen den Zellen und Muskelfasern durchspült. Durch die geringere Muskelspannung sind diese Zwischenräume größer. Durch die verbesserte Versorgung kann sich der Muskel schneller regenerieren und den Querschnitt der Muskelfasern leichter vergrößern. Der Muskel wächst also leichter.
Mit entspannten Muskeln, wie sie durch regelmäßiges Stretching erreicht werden, kannst Du Dich auch wesentlich eleganter und geschmeidiger bewegen. Zum Beispiel beim Posing. Deswegen sollte jede Trainingsperiode mit einem Ausdauer- und Beweglichkeitstraining von etwa 3 Wochen Dauer beginnen. Wichtiger Bestandteil dieses Beweglichkeitstrainings sind die Stretchings.





