Übergewicht durch Veranlagung ?
Sicherlich könnte man nahezu endlos über das Thema Diät, Übergewicht und deren Ursachen schreiben. Dennoch ist es eine Tatsache, daß die Ursachen für Übergewicht und zu hoher Körperfettanteil bei den meisten Menschen fast immer falsches Essverhalten und fehlende Bewegung sind. Der schlanke Mensch, der kein Problem hat, sein Gewicht in vernünftigen Grenzen zu halten, hat meist kein Verständnis für das unkontrollierte Essverhalten von Übergewichtigen. Aussagen von Betroffenen, die Ihr Übergewicht in erster Linie Ihrer Veranlagung zuschreiben wird nur selten Glauben geschenkt und eher lächelnd als blödsinnig bezeichnet. Sicherlich ist für die Reduzierung des Körpergewichtes der nötige Wille der erste und oftmals auch schwierigste Schritt, dennoch spielt in der Tat die Veranlagung des einzelnen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Mit Veranlagung ist jetzt das Einwirken der Gene auf den Stoffwechsel gemeint. Bestimmte Gene steuern das Körpergewicht jedes einzelnen Menschen, indem sie regulierend in den täglichen Stoffwechsel eingreifen.
Ähnlich eines Fingerabdrucks, hat so jeder Mensch ein eigenes, individuelles Einwirken der Gene auf den gesamten Stoffwechsel und somit natürlich auch auf den Fettstoffwechsel. Vereinfacht formuliert regulieren bzw. bestimmen die Gene ob die aufgenommene Nahrung im Körper gespeichert oder aber wieder umgehend in Energie umgewandelt, verbrannt wird. Die Menschen, die eher zur Gruppe der Schlanken und Dünnen zählen, können scheinbar allesessen und werden trotzdem nicht dick. Auch diese Eigenschaft wird durch die Gene gesteuert. Dagegen sind die Gene bei den eher dickeren Menschen auf “Sparflamme” programmiert. Kein Wunder, jahrtausendelang hatten Menschen, dere Gene überwiegend auf speichern programmiert sind, einen Überlebensvorteil gegenüber den “Dünneren”. Bedenkt man, daß es noch im letzten Jahrhundert regelmäßig Hungersnöte in Europa gab, so ist die Programmierung der Gene auf “Speichern” durchaus verständlich und der Körper reagiert getreu dem Motto “Wenn etwas Essbares zu haben ist, dann nimm es, man weiss ja nie . . .”
Die Zeiten haben sich geändert. Im Zuge der Industriealisierung wurden die meisten Lebensmittel mehr und mehr in Massen produziert, die Nahrungsmittelindustrie erfindet ständig neue, verlockende Kalorienbomben. Hüngersnöte kennen wir nicht, volle Regale in den Supermärkten, Essbares am Kiosk, am Arbeitsplatz und ein voller Kühlschrank zu Hause sind für uns alle nahezu selbstverständlich. Doch der Körper mit seinen Genen hat diese rasante Entwicklung nicht erkannt und arbeitet noch immer, wie schon vor tausenden von Jahren auf Sparflamme, indem er so viel wie möglich von der zugeführten Nahrung speichert. Hinzu kommt erschwerend, daß neben den eigentlichen Nahrungsmitteln, ein ständig erweitertes Angebot sogenannter Genußmittel in der Ernährung vieler Menschen schon alltäglich sind. Schwere, körperliche Arbeit auf dem Feld, in der Fabrik oder im Haushalt kennt heutzutage fast niemand mehr. Das Ergebnis dieser gesamten Entwicklung ist eine ständig gestiegene Kalorienaufnahme bei gleichzeitig verringerter, körperlicher Arbeit bzw. Aktivität. Wir essen einfach zu viel, qualitativ schlecht und vor allem zuviel Fett, im Durchschnitt etwa 120-150 Gramm pro Tag, statt der notwendigen 60-70 Gramm. Selbst die Auswahl der Nahrungsmittel ist mittlerweile zum Problem geworden, weil kaum einer weiss, was bzw. wonach die einzelnen Nahrungsmittel sowohl qualitativ als auch mengenmäßig beurteilt werden sollten.





